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Liegenschaft zwangsversteigert

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Liegenschaft zwangsversteigert

Hinzugefügt am 20. Februar 2026 | by Markus Zöbeli | Uncategorized |

(Textbeitrag NZZ vom 19. Februar 2026 / von Isabel Heusser)

Seit Jahren tobt ein Streit in der Confiserie-Familie Teuscher. Nun wurde die Liegenschaft an der edlen Storchengasse in Zürich zwangsversteigert. Der Patron Adolf Teuscher hofft dennoch, dass die Liegenschaft in den Familienbesitz zurückkehrt.

Der Salon im Fünf-Sterne-Hotel Schweizerhof ist voll besetzt. Im hinteren Teil hat ein Mann mit sorgfältig frisiertem weissen Haar Platz genommen. Dunkelblauer Mantel, Jackett, roter Pullover. Kaum jemand nimmt Notiz von ihm. Wüssten die Anwesenden seinen Namen, wäre das wohl anders.

Es ist der Schokoladen-Patron Adolf Teuscher, Besitzer der gleichnamigen Edel-Confiserie, eine der bekanntesten in Zürich mit Filialen bis in die Emirate und die USA. Deren kitschige Inneneinrichtung ist legendär, die Pralinés sind es ebenfalls. Die «Chocolates of Switzerland» sind so beliebt, dass die Kundschaft in Beverly Hills bereit ist, für zwei Champagner-Truffes 16 Dollar zu bezahlen.

Doch in der Familie tobt seit Jahren ein Streit zwischen Teuscher und seinem Neffen Rafael Rubio. Er gipfelt darin, dass am Donnerstag das ehemalige Stammhaus zwangsversteigert wird, das Rubio gehörte. Fast sechzig Jahre lang bestand die Confiserie an der Storchengasse 9 in der Zürcher Altstadt. Seit Monaten schon steht das Ladenlokal leer, die roten Storen mit der charakteristischen Teuscher-Aufschrift sind heruntergelassen.

Wenige Minuten, bevor die Versteigerung im Hotel beginnt, sagt Adolf Teuscher: «Ich fühle mich wie Maria Stuart, die aufs Schafott geführt wird.»

Läderach statt Teuscher an der Bahnhofstrasse
Teuscher will nicht sagen, worum genau sich der Streit dreht. Rubio liess eine Anfrage der NZZ unbeantwortet. Bekannt ist, dass die Liegenschaft an der Storchengasse bis vor einigen Jahren Teuscher selbst gehörte und er sie 2017 an seinen Neffen verkaufte. Die dortige Filiale betrieb Rubio ebenso wie jene an der Bahnhofstrasse 46, zusammen mit seiner Frau Silvia.

Im Winter 2024 kam es dann aber zum öffentlichen Zerwürfnis: Plötzlich wurden die zwei Filialen in «Madeleine» umgetauft, nach dem Namen von Rubios Mutter, die die Schwester von Teuscher ist. Statt Teuscher-Produkten war andere Schokolade im Angebot. Wenig später wurde der Laden an der Bahnhofstrasse geschlossen, ein Läderach zog ein. Seither sind die Teuscher-Truffes nur noch in den Cafés Felix am Bellevue und im Brannhof an der Bahnhofstrasse beim Globus erhältlich.

Marketingmässig ist das ein Unglücksfall. Denn sowohl Adolf Teuscher als auch Madeleine Rubio-Teuscher werben damit, dass sie die Tradition ihres Vaters Adolf Teuscher senior weiterführen. Doch nur eine Partei hat den bekannten Namen behalten: der Junior, auch er über achtzig.

Der Schokoladen-Streit führte offenbar zu Liquiditätsproblemen bei Rafael Rubio. Dieser habe ihm die gewährten Darlehen nie zurückgezahlt, erzählte Adolf Teuscher «Inside Paradeplatz». Doch Adolf Teuscher wollte das Haus zurück – und leitete eine Betreibung beim Konkursamt ein. Schliesslich setzte das Betreibungsamt eine erste Versteigerung im Juni letzten Jahres an. Diese wurde dann aber eine Viertelstunde vor Beginn abgesagt.

Doch der Streit zwischen Onkel und Neffe schwelte weiter. Das Betreibungsamt ordnete wieder eine Zwangsversteigerung der Liegenschaft an. Noch im Herbst beteuerte Adolf Teuscher, diese werde nicht stattfinden, weil er sich mit Rubio geeinigt habe. Es sollte anders kommen.

Gemäss der amtlichen Ausschreibung erfolgt die Versteigerung «auf Verlangen der Grundpfandgläubigerin», in diesem Fall die UBS. Die Bank hat das Recht, eine Liegenschaft verwerten zu lassen, wenn ein Schuldner seine Hypothek nicht mehr bezahlen kann. Der Schätzwert des Gebäudes beträgt 8,4 Millionen Franken.

Adolf Teuscher sagt, er habe bis zuletzt versucht, sich mit seinem Neffen zu einigen, damit das Haus in Familienbesitz bleiben könne – umsonst.

Ein Ass im Ärmel hat der Patron noch
Die Zwangsversteigerung im Luxushotel beginnt mit einer Überraschung. Denn als der Stadtammann Remo Crestani auf das erste Gebot wartet, passiert erst einmal – nichts. Im Salon bleibt es still. Erst nach einer halben Minute hebt einer sein Blatt mit seiner Bieternummer für das erste Gebot: 7 Millionen Franken ist er zu zahlen bereit.

Dann schnellen die Gebote rasch in die Höhe. Im vollen Saal sind es nur ganz wenige, die die Versteigerung unter sich ausmachen. Wenige Minuten nach Beginn geht der Zuschlag mit zwölf Millionen Franken an die Bieternummer 27. Sie gehört der Immobilienunternehmerin Eva Maria Bucher-Haefner. Gemäss der «Bilanz» gehört sie mit einem Vermögen von 4,3 Milliarden Franken zu den 100 reichsten Schweizerinnen und Schweizern. Sie ist die Tochter von Amag-Gründer Walter Haefner und freut sich über den Zuschlag. 27 sei ihre Glückszahl.

Ihre Holding mit Sitz im Kanton Obwalden investiert nicht nur in Immobilien, sondern unterstützt auch soziale Projekte. So gründete Bucher-Haefner vor zwei Jahren eine Stiftung, die Jugendliche und junge Erwachsene mit Hirnverletzungen betreut.

Bucher-Haefner besitzt mehrere Liegenschaften in der Stadt Zürich. Sie habe ein Flair für historische Gebäude, sagt sie zur NZZ. Was genau sie mit der Storchengasse 9 vorhat, wisse sie noch nicht.

Nach der Versteigerung sitzt Adolf Teuscher in seinem Café an der Bahnhofstrasse. Seine Miene hat sich sichtlich aufgehellt. Er sei erleichtert, dass das Gebäude zu einem guten Preis versteigert worden sei, sagt er. «Wäre sie weit unter Wert weggegangen, hätte mich das geschmerzt.»

Das Teuscher-Haus ist nun verkauft. Aber der Schokoladenkönig hat noch ein Ass im Ärmel: Er besitzt das Vorkaufsrecht, falls die Liegenschaft wieder auf den freien Markt kommen sollte. Teuscher hätte sie gerne zurück. Und es würde ihn freuen, wenn seine Confiserie ins Lokal im Erdgeschoss zurückkehren könnte. Wegen der vielen Touristen sei die Lage ideal.

Allerdings hätte er gleich nebenan Konkurrenz: Im Nachbarhaus ist vor einigen Monaten der Chocolatier Vollenweider eingezogen.

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