Steuern direkt vom Lohn abziehen Hinzugefügt am 17. Juni 2026 | by Markus Zöbeli | Uncategorized | (Textbeitrag Tages-Anzeiger vom 16. Juni 2026 / von Pascal Unternährer) 10 Prozent des Lohns direkt ans Steueramt statt aufs Konto? Nach dem Systemwechsel in Basel wollen drei Zürcher Politikerinnen das Modell in Zürich einführen. In Kürze: Basel-Stadt hat am Sonntag mit 53,4 Prozent einem automatischen Steuerabzug vom Lohn zugestimmt. Angestellte können 10 Prozent ihres Bruttolohns direkt ans Steueramt überweisen lassen. Zürcher Kantonsrätinnen von SP, AL und EVP wollen dieses System auch im Kanton Zürich einrichten. Ob ihre Initiative im Kantonsrat die nötige Mehrheit erreicht, hängt vor allem von GLP und Grünen ab. «Das ist ein Meilenstein für die Schuldenprävention», sagte der SP-Politiker Pascal Pfister am Sonntag. Soeben hat das Stimmvolk des Kantons Basel-Stadt mit 53,4 Prozent einer Steuergesetzänderung zugestimmt. Der Kern: Künftig können Angestellte 10 Prozent ihres Bruttolohns direkt ans Steueramt überweisen lassen, wenn sie im Kanton arbeiten und wohnen. Der Vorteil des Steuerabzugs: Es gibt keine Überraschung, wenn die Steuerrechnung kommt. Das meiste ist schon bezahlt. Pfister ist basel-städtischer Kantonsparlamentarier und kennt sich als Geschäftsleiter des Dachverbands Schuldenberatung Schweiz in der Materie aus. Das Thema «automatischer Steuerabzug» sei ein Dauerthema unter Fachleuten, sagte er der «Basler Zeitung». Denn: Steuerschulden sind die häufigste Schuldenart. Laut dem Bundesamt für Statistik leben in der Schweiz 9 Prozent der Menschen in einem Haushalt mit einem Steuerrückstand. Und gemäss einer Umfrage werden mehr als 300’000 Steuerpflichtige wegen offener Steuerschulden betrieben. Steuerschulden verhindern, bevor sie entstehen Das Basler Resultat vom Sonntag wurde in Zürich so erwartet. Drei Kantonsrätinnen hatten schon zuvor eine parlamentarische Initiative vorbereitet. Am Montag nun haben Mandy Abou Shoak (SP), Gianna Berger (AL) und Andrea Grossen-Aerni (EVP) den Vorstoss eingereicht. Sie fordern eine ähnliche Lösung wie in Basel für den Kanton Zürich: Arbeitgebende mit 50 oder mehr Arbeitnehmenden leiten einen bestimmten Prozentsatz der Lohnzahlung direkt ans Steueramt weiter. Vorgesehen ist eine sogenannte Opt-out-Option: Die Arbeitnehmenden, die das nicht wollen, können sich abmelden. Auch Firmen mit weniger als 50 Arbeitnehmenden können das Verfahren anwenden, es ist aber freiwillig. Mandy Abou Shoak will Steuerschulden verhindern, bevor sie entstehen, wie sie dieser Redaktion erklärt. «Für viele Menschen ist es schwierig, eine grosse Steuerrechnung auf einmal zu begleichen.» Die Folge seien Betreibungen, Verlustscheine, persönliche Notlagen und ein grosser administrativer Aufwand für alle Beteiligten. Neu sei der direkte Lohnabzug ja nicht, sagt die SP-Politikerin. Bei Hunderttausenden von Ausländerinnen und Ausländern wird heute schon die Quellensteuer direkt vom Lohn abgezogen. Zudem sei dieses System in allen Nachbarländern gelebte Realität. Auch sei der Zeitpunkt günstig, weil der Kanton ohnehin seine Steuer-IT erneuere. Bereits zweiter Anlauf im Kanton Zürich Wie viele Prozente abgezogen werden sollen, lässt Abou Shoak offen. «Das soll das Parlament entscheiden.» Parlamentarische Initiativen (PI) brauchen 60 Stimmen, um an die zuständige Kommission zur Weiterbearbeitung überwiesen zu werden. Diese Hürde dürfte zu meistern sein. Zwar verfügen SP, AL und EVP nur über 48 Stimmen. Die Grünen (19 Sitze) wollten die PI zwar nicht unterschreiben, werden sie aber wahrscheinlich unterstützen, wie Kantonsrätin Jasmin Pokerschnig sagt. Ob die GLP (23 Sitze) mitmacht, ist laut Fraktionschefin Christa Stünzi noch offen. Die GLP steht häufig im Mittelpunkt in dieser Frage, und die Signale sind diffus. Bereits 2016 hatten SP, Grüne und EVP im Kantonsrat eine fast identische Initiative lanciert. Diese wurde mithilfe der GLP überwiesen. Doch als es ernst galt, versagte die GLP die Unterstützung: Die Idee des direkten Steuerabzugs schickte der Kantonsrat 2018 mit 107:54 Stimmen bachab. Nationalrat stimmte der Idee des Steuerabzugs zu Noch weniger lange ist es her, dass der Nationalrat den Systemwechsel befürwortet hat. 2023 überwies er eine SP-Initiative mit 96:88 Stimmen. Neben SP und Grünen votierten die GLP-Mitglieder fast geschlossen dafür. Und während die Mitte gespalten war, sagten SVP und FDP mehrheitlich Nein. Ein Jahr später versenkte der Ständerat das Vorhaben mit 24:13 Stimmen, wobei GLP-Ständerätin Tiana Moser den Vorstoss unterstützte, die Mitte aber abgesprungen war. Die Gegnerschaft sprach von einem Bürokratiemonster für die Arbeitgebenden. Ausserdem könne man schon heute beim Lohnkonto einen Dauerauftrag ans Steueramt einrichten und die Steuern in Raten bezahlen. Das Angebot, hiess es von bürgerlicher Seite im Nationalrat, würden ohnehin nur Personen wahrnehmen, die ihre Finanzen im Griff hätten.