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Händler wollen, dass Kunden auf Pump kaufen

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Händler wollen, dass Kunden auf Pump kaufen

Hinzugefügt am 5. September 2019 | by Markus Zöbeli | Uncategorized |

(Textauszug 20Minuten vom 5. September 2019 / von R. Knecht/D. Benz)

Kleider, Kaffeemaschine oder Velo: In etlichen Läden können Konsumenten auf Rechnung einkaufen. Dahinter steckt Kalkül der Händler.

Bei H&M können Konsumenten neuerdings auf Rechnung shoppen. Dazu müssen sie Teil des Treueprogramms des Kleiderhändlers sein. Auch andere Detailhändler, darunter Manor, Media-Markt und PKZ bieten diese Zahlungsmethode an. In Geschäften von Coop-Töchtern wie Bau+Hobby, Pronto, Interdiscount und Fust ist die Zahlung auf Rechnung mit der sogenannten Paycard möglich.

Hinter dem Angebot steckt Kalkül: «Der Kauf auf Rechnung fühlt sich für manche Konsumenten im ersten Moment wie gratis an – auch wenn man eigentlich weiss, dass es nicht so ist», sagt Tilman Slembeck, Wirtschaftsprofessor an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) zu 20 Minuten. Die Händler würden sich darum mehr Verkäufe an weniger liquide Kunden versprechen. Dazu kommt, dass die Zahlungsart ein Anreiz für die Konsumenten sei, am Kundenbindungsprogramm der Händler teilzunehmen.

Bonitätsprüfung bei Kunden
Doch das Shoppen auf Rechnung birgt Gefahren: Wie Konsumentenschützerin Sara Stalder sagt, besteht die Gefahr, dass es die Kunden in die Schuldenfalle treiben könnte… H&M winkt ab: Für die Bezahlmöglichkeit mit Rechnung habe man sich mit dem schwedischen Zahlungsanbieter Klarna zusammengetan. «Damit Verbraucher Klarna nutzen können, führt Klarna in ihrem eigenen Interesse, aber vor allem im Sinne der Verbraucher Bonitätsprüfungen durch», teilt H&M 20 Minuten mit. Eine entsprechende Bonität sei die Voraussetzung für das Einkaufen auf Rechnung. So erwartet H&M auch keine hohe Zahl an Betreibungen.

Ein Teil der Rechnungen bleibt unbezahlt
Slembeck von der ZHAW glaubt hingegen, die Detailhändler müssten schon davon ausgehen, dass ein gewisser Prozentsatz der Rechnungen nicht bezahlt werde: «Wenn die Händler das Geld sofort in der Kasse haben, ist das Risiko natürlich gleich null.» Aber die Firmen würden damit rechnen, dass sich dieses Risiko dank der zusätzlichen Verkäufe auszahlt. Der Kauf auf Rechnung ist faktisch ein Kredit über die Rechnungsdauer, wie Slembeck erklärt. Die Zinslage macht den Händlern die Zahlungsart besonders schmackhaft: Die Zinsen seien derzeit so niedrig, dass es praktisch gratis sei, jemandem Geld auszuleihen, so der Wirtschaftsprofessor: «Detailhändler mutieren immer mehr zu Banken.»

Die Schweizer Händler dürften bezüglich Einkaufen auf Rechnung bei ausländischen Anbietern abgeschaut haben: In den USA ist diese Zahlungsart auch im stationären Handel längst weit verbreitet.

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