Krankenkasse für die meisten bezahlbar Hinzugefügt am 17. Februar 2026 | by Markus Zöbeli | Uncategorized | (Textbeitrag NZZ vom 12. Februar 2026 / von Simon Hehli) Die Prämien steigen und steigen. Das löst politischen Aktionismus aus, belastet aber die meisten Haushalte nicht übermässig. Wobei die Leute in manchen Regionen finanziell stärker leiden. Das Sorgenbarometer der UBS kennt einen eindeutigen Spitzenreiter: Nichts treibt die Schweizerinnen und Schweizer offenbar so stark um wie der Themenkomplex Gesundheitsfragen/Krankenkasse/Prämien. 45 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass dies das wichtigste Problem der Schweiz sei. Der Klimawandel, die AHV und die Zuwanderung folgen mit grossem Abstand. Für die Autoren des Barometers ist klar, dass sich die Menschen dabei nicht in erster Linie um den eigenen gesundheitlichen Zustand sorgen (was man aufgrund der breit gefassten Definition meinen könnte). Es gehe vielmehr um finanzielle Fragen, um die Last durch die Krankenkassenrechnungen. Das machen sie daran fest, dass das Problembewusstsein besonders stark zunehme, wenn es bei den Prämien einen sprunghaften Anstieg gebe. Die höheren Kosten der Grundversicherung machen sich in den Haushaltsbudgets stark bemerkbar. Eine Familie mit zwei Kindern zahlt 14 000 Franken im Jahr, wenn man die mittlere Prämie als Basis nimmt. Die SP will dieser Entwicklung entgegenwirken: Im Oktober lancierte sie eine Initiative für einkommensabhängige Prämien. Davon sollen 85 Prozent der Einwohner der Schweiz profitieren, die restlichen 15 Prozent müssten mehr zahlen. Für jeden Dritten wird es eng Doch es gibt noch eine andere Betrachtungsweise: Die Mehrheit der Bevölkerung leidet kaum unter den Ausgaben für die Krankenkasse. Zu diesem Schluss kommt eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Vergleichsdiensts Comparis. 59 Prozent geben an, dass sie die Prämien jeweils mühelos bezahlen könnten. Für 32 Prozent ist es manchmal oder oft schwierig, das Geld für die Krankenkassenrechnung aufzubringen. 8,5 Prozent geben an, dass sie sie ohnehin nicht selbst bezahlen müssten. Die Ergebnisse der Comparis-Studie decken sich mit dem aktuellen Gesundheitsmonitor des Pharmaverbandes Interpharma. Dort geben 30 Prozent an, dass die Prämien für sie ein dauerhaftes oder gelegentliches Problem seien. Interessant ist, dass dieser Anteil 2011 noch bei über 50 Prozent lag, obwohl die Prämien damals viel tiefer waren. Ein Grund für diese Entwicklung dürfte sein, dass die Löhne in den letzten dreissig Jahren in absoluten Zahlen deutlich stärker gestiegen sind als die Prämien. Unter dem Strich bleibt den Haushalten also nach dem Abzug der Gesundheitsausgaben mehr Geld übrig. Stark belastetes Tessin In der Comparis-Studie zeigen sich indes soziodemografische und regionale Unterschiede. Die Älteren ab 56 Jahren fühlen sich durch die Grundversicherung deutlich weniger belastet als die Jungen. Und während in der Deutschschweiz 64 Prozent die Prämien mühelos zahlen können, liegt dieser Anteil in der Romandie bei 51 Prozent und im Tessin sogar bei nur 40 Prozent. In den französisch- und italienischsprachigen Landesteilen sind die Gesundheitskosten und damit die Prämien höher, zudem sparen laut Comparis weniger Leute mit alternativen Versicherungsmodellen Geld. Laut der Umfrage erhalten 32 Prozent der Befragten eine kantonale Prämienverbilligung. Dieser Anteil dürfte noch steigen, denn seit dem 1. Januar dieses Jahres müssen die Kantone die Zuschüsse erhöhen. Das ist eine Folge des Gegenvorschlags zur gescheiterten SP-Initiative für tiefere Prämien. Der Comparis-Krankenkassenexperte Felix Schneuwly befürchtet, dass die finanziellen Anreize für Teilzeitarbeit bei der jungen Mittelschicht mittlerweile zu gross seien. Wer mit einem Vollzeitpensum ohne staatliche Unterstützung nicht über die Runden komme, solle zwar unterstützt werden. «Dass aber Leute mit Teilzeitarbeit, Prämienverbilligungen und anderen einkommensabhängigen Vergünstigungen mehr im Portemonnaie haben, ist ein Systemfehler unseres Sozialstaats», sagt Schneuwly.